MondSeeLand: Neue Werte für die Wirtschaft
Attac Mondseeland vor Gründung
Die Krise füllt die Säle, wenn der junge Globalisierungskritiker Christian Felber, 37, über Alternativen spricht. Auch in Mondsee strömten 120 Menschen in den Pfarrsaal, um dem gebürtigen Mattseer, der heute europaweit als Referent gefragt ist, zuzuhören. Die Münder blieben schon am Beginn offen: „Wissen Sie, das Wievielfache der bestbezahlte Fondsmanager in den USA im Vergleich zu einer Vollzeit arbeitenden Supermarktkassierin verdient? - Das 360.000fache."
Wege in die Krise
Auf die Frage des Referenten, das Wievielfache die Anwesenden als maximal gerecht empfänden, einigt sich der Saal rasch auf das Zehnfache. Felber zeichnete historisch die Entstehung der Finanzkrise nach. Wichtige Parallele zu früheren Krisen: Wenn die Besitz-Eliten einen zu großen Teil des Vermögens konzentrieren, hätten sie „keine andere Chance, als diese überflüssigen Vermögen auf die Finanzmärkte zu werfen, wo sie Blasen bilden, die regelmäßig platzen".
Weitere Krisenursache: Nach einer 30-jährigen Phase regulierter Finanzmärkte und gemeinwohlorientierter Banken nach 2. Weltkrieg schwenkten die Banken seit den 1980er Jahren auf Gewinnorientierung und Wachstum um. Dadurch vernachlässigten sie ihr Kerngeschäft, die Verwandlung von Sparvermögen in Kredite an lokale Unternehmen, um profitablere, aber riskantere Geschäftsfelder zu betreten: Fonds, Derivate, Kredithandel.
Zukunftsmodell Neue Bank?
Die Politik baute bereitwillig das globale Casino, das nicht wie versprochen Effizienz und Wohlstand brachte, sondern Krise, Arbeitslosigkeit und „systemrelevante Banken", die politisch so einflussreich sind, dass sie die Regulierung der Finanzmärkte und ihre notwendige Zerschlagung erfolgreich verhindern.
Felber schlägt deshalb einen neuen Bankentyp vor: Die „Demokratische Bank" soll unter der Kontrolle des „demokratischen Souveräns" nur noch das konservative Kerngeschäft der Bank erledigen. Dafür sollte sie allein in den Genuss der staatlichen Unterstützung - Garantie der Sparguthaben und Refinanzierung durch die Zentralbank - kommen.
Doch Felber begnügt sich nicht mit Regulierungsvorschlägen für die Finanzmärkte, er hat eine „Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus" entworfen: die „Gemeinwohlökonomie", in der es nicht mehr um Gewinnstreben und Konkurrenz geht, sondern um Gemeinwohlstreben und Kooperation. Dreißig Unternehmerinnen und Unternehmer entwickeln mit Felber das Zukunftsmodell: „Je sozial verantwortlicher, ökologisch nachhaltiger, demokratischer und kooperativer sich ein Unternehmen verhält, desto stärker soll es gegenüber den verantwortungslosen Profitmaximierern rechtlich in Vorteil gestellt werden."
Blieb am Schluss die Frage, was jeder Einzelne tun? Das wichtigste sei die Überwindung der Ohnmacht durch gemeinsames Handeln. Felber hat das globalisierungskritische Netzwerk „Attac" (französisch für: Vereinigung für die Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohle der Menschen) in Österreich mitaufgebaut, das heute 4.500 Mitglieder und 29 aktive Regionalgruppen zählt. Im Anschluss an den Vortrag blieben zwanzig Interessierte für die Gründung von Attac Mondseeland. Die Unternehmerin Sylvia Klimesch, die den Vortrag mitorganisiert hatte, ist bis zur Gruppengründung die Ansprechperson.
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