Bad Ischl: Als die Bilder laufen lernten
Das Salzkammergut in Oberösterreich und Salzburg in historischen Filmdokumenten: Video-Großbildpräsentation morgen, Mittwoch, den 7. Mai um 20.00 Uhr im Lehar Theater in Bad Ischl bei freiem Eintritt
Filmisches Erbe wird Digital
Vom ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bis zum letzten reicht nun die Auswahl der in die Edition aufgenommenen Filme. Wie nur wenige andere Regionen Österreichs verfügt das Salzkammergut über ein reiches filmisches Erbe und einige der ältesten Filmdokumente mit Österreich-Bezug stammen aus dem Salzkammergut. Dies hat seinen Grund darin, dass die Region über Jahrhunderte hinweg Kernland des Habsburger-Reiches war, was das Salzkammergut geprägt hat und in dem Video zum Ausdruck kommt. Früh schon war das Salzkammergut ein Zentrum des Tourismus. Eindrucksvoll auch die Vielzahl regionaler Bräuche und Besonderheiten, die in dem Video zu sehen sind.
Metropole der Kaiserzeit in Schwarzweiß
Der älteste Beitrag datiert aus dem Jahr 1909 und zeigt Kaiser Franz Josef bei der Gamsjagd in Bad Ischl. Überhaupt steht Bad Ischl als Hauptort der Region im Zentrum vieler Beiträge und präsentiert sich in frühen Aufnahmen als Metropole der Kaiserzeit und Kurort mit Weltruf. Ein bemerkenswertes Porträt der Stadt stammt aus der Zeit noch vor dem Ersten Weltkrieg. Bilder von Bad Ischl sind dann auch aus den 1920er Jahren zu sehen, wo wir etwa bei einer Goldenen Hochzeit dabei sind. Aus dem Jahr 1945, unmittelbar nach dem
Zweiten Weltkrieg, einer Zeit, aus der sonst wenig Filmisches überliefert ist, ist aus Bad Ischl ein "Fest des Friedens" dokumentiert und 1949 sind wir bei einem Trachtenfest dabei. Auch in den Filmen der folgenden Jahrzehnte kommt Bad Ischl wesentlich ins Bild.
Filmische Zeitzeugen
In zwei reizvollen Filmen des österreichischen Dokumentarfilm-Pioniers Karl Köfinger sind wir in den späten 1920er Jahren mit dem Postkraftwagen im Salzkammergut von Salzburg nach Oberösterreich unterwegs und bei einer frühen Besteigung des Dachsteins dabei. Breites und vielfältiges Filmmaterial liegt aus den 1930er Jahren vor, so ein wichtiges Dokument über Neujahrsbräuche in St. Gilgen, bis am Ende des Jahrzehnts auch das Filmschaffen im Dunkel der Nazi-Zeit verschwindet. Aus dem Jahr 1945 stammt ein erschreckendes Filmdokument von der Befreiung der bis auf das Skelett abgemagerten überlebenden Gefangenen des KZ's Ebensee durch die Amerikaner.
Alte Bilder im neuen Gewand
Wie überall sonst auch versuchte man im Salzkammergut nach 1945 zu vergessen und die Schrecken des Krieges und der Nazi-Zeit zu bannen. Ein Werbefilm aus den frühen 1950-ern führt das Salzkammergut in der damals von der Sehnsucht nach Idylle bestimmten Zeitgeiststimmung vor. Ein bemerkenswertes Filmdokument aus den frühen 1960er-Jahren zeigt ein Treffen der Armbrustschützen im Goiserer Tal, bei dem altes Brauchtum gepflegt wird. Die DVD ist Teil der Edition "Österreich in historischen Filmdokumenten", mit der es das Filmarchiv Austria unternimmt, das in diversen Archiven lagernde und zum Teil nicht mehr abspielbare historische Filmmaterial über eine Region durch die Überspielung auf Video neu und allgemein zugänglich zu machen.
Den Schnitt des Videos haben Josef Schuchnig und Renate Maragh-Ablinger besorgt, letztere wird bei der Präsentation in Bad Ischl dabei sein. Für die Nachvertonung der Stummfilme wurde zu einem guten Teil Musik verwendet, die von Komponisten oder Interpreten aus dem Salzkammergut stammt. Die Produktion des Videos wurde von den Ländern Salzburg und Oberösterreich finanziell gefördert, die Präsentation im Lehar Theater in Bad Ischl ist bei freiem Eintritt geht auf die Initiative von Foto Hofer, Bad Ischl zurück.
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