Salzkammergut: Immer mehr Jugendliche leben auf der Straße
Notschlafstelle für Erwachsende verzeichnet dramatischen Anstieg bei jungen Leuten
Immer mehr Jugendliche und Junge Erwachsene in den Bezirken Vöcklabruck und Gmunden sind von Obdachlosigkeit betroffen. Experten in der Jugendarbeit und der Wohnungslosenhilfe haben sich im „Arbeitskreis Jugendnotschlafstelle" zusammen gefunden, machen auf die Problematik aufmerksam und arbeiten an Lösungen.
Alterunterschiede bringen Probleme
Die Zahl der unter 25-Jährigen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. 2009 waren 20 Prozent der in die Notschlafstelle aufgenommen unter 26 Jahren. „Wir sind aber eine Notschlafstelle für Erwachsene. Jugendliche haben andere Problemlagen und brauchen eine speziell auf die Altersgruppe abgestimmte Betreuung. Das Zusammenleben mit älteren, teilweise suchtkranken Obdachlosen ist daher problematisch", betont Mosaik-Leiter Stefan Hindinger.
Ein ehemaliger Betroffener berichtet
Der heutige 19-jährige Alexander war vor einem Jahr mit 18 Jahren eine Woche lang von akuter Wohnungslosigkeit betroffen. Alexander kommt aus einer großen Familie mit fünf Geschwistern. Beide Eltern sind berufstätig. Die Handelschule bricht Alexander nach zwei Jahren ab. Aus Langeweile und Profilierungsgründen haben Alexander und seine Freunde Raufereien angefangen. Eine gerichtliche Verurteilung, Gefängnisaufenthalt und der Einsatz einer Bewährungshelferin sind die Folge. Diese vermittelt ihm einen Lehrplatz. Nach einer exzessiven Party in der elterlichen Wohnung wird er vor die Tür gesetzt. Zwei Tage verbringt er auf der Straße bzw. in einer Bushaltestelle und in einem öffentlichen WC und „landet" schließlich im Jugendzentrum. Nach gut einer Woche und klärenden Gesprächen kann er wieder ins Elternhaus zurück. In die Arbeit ist er auch in der Zeit der Wohnungslosigkeit gegangen.
Ursachen von Wohnungslosigkeit
Paul Pupp hat an der FH Oberösterreich (Studiengang Sozialarbeit) eine Diplomarbeit „Wohnungslose Jugendliche und junge Erwachsene in der Region Traunviertel-Salzkammergut. Eine Herausforderung für die Sozialarbeit" geschrieben und sich mit den Ursachen von Wohnungslosigkeit auseinandergesetzt: Nicht immer haben Jugendliche und junge Erwachsene ein Zuhause, einen sicheren Ort von dem aus sie den Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter gut schaffen können. Die Ursachen für und die Erscheinungsformen von Wohnungslosigkeit sind sehr verschieden. Die Dauer reicht von einigen Tagen auf der Straße, bis zu einigen Monaten. Manche kehren gar nicht mehr zu ihrer Familie zurück. Die Ursachen liegen teils in belastenden Familiensituationen wie Streit und Gewalterfahrungen zu Hause. Aber auch Faktoren wie Alkohol- oder Drogenprobleme oder nicht ausreichende emotionale Zuwendung und Anerkennung lassen sich in Biographien von wohnungslosen Jugendlichen finden. Die selbständige Flucht, oder ein „Rausschmiss" sind meist der Beginn einer Odyssee auf der Suche nach einem neuen Zuhause, so Pupp.
Neue Unterkünften schaffen
Berhard Brunner vom Jugendzentrum Checkpoint ist einer der Experten des „Arbeitskreises Jugendnotschlafstelle", einer Plattform aus Einrichtungen wie pro mente, Wohnungslosenhilfe Mosaik, Soziale Initiative, Bewährungshilfe, Jugendwohlfahrt u. a. Er betont abschließend die Notwendigkeit von Unterkünften in der Region: Krisenwohnungen oder eine Notschlafstelle als niederschwellige Anlaufstelle und sozialpädogisch betreute Wohnungen.
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