Nichts offenbart dem Menschen seine eigene Vergänglichkeit deutlicher als die Spuren vergangener Zeiten. Alle Kunst war und ist immer auch eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Zeit. Das jetzt ist nicht definierbar, nicht messbar, nicht aussprechbar, nicht greifbar, denn kaum angedacht, ist die Entität des Seins schon wieder eine andere. Das jetzt ist der Augenblick, und dieser ist nur erlebbar, manifestierbar zum Beispiel durch einen Strich auf einem leeren Blatt Papier. Nie mehr wird dieser Strich in genau dieser Form existieren. Er ist einzigartig, ist inhärent verbunden mit einem Augenblick. Er wird somit Relikt, zur Spur im Schnee der Zeit. Will man die Umstände seines Werdens ergründen, so muss man sich auf eine Suche einlassen, eine Spurensuche.
Doch immer wird die Betrachtung des reinen Striches zeitlich gebrochen sein - wie der Blick durch ein getrübtes Fensterglas. Denn er selbst ist Ergebnis einer zeitlichen Entwicklung: Zuerst war die Idee des Striches, dann erst erfolgte die Ausführung der Idee. Betrachtet man diesen Strich als Rezipient, kommt eine dritte Zeitebene hinzu: Die des Augenblicks der Betrachtung. Das Eintauchen in die Fühlbarkeit der menschlichen DeCerminierthelt durch die Knechtschaft der Zeit bedingt folglich eine Dekonstruktion der übereinander gereihten Zeitebenen. Kunst am Steinberg 2012 hat sich diese Dekonstruktion zum Ziel gesteckt und begibt sich so auf eine existentielle Spurensuche.
Geboren 1966 in Innsbruck, 1985-1989 Akademie der bildenden Künste in Wien (Prof. Melcher), lebt und arbeitet in Wien und Pressbaum/Wienerwald. Zahlreiche Preise, darunter der Kulturpreis des Landes Niederösterreich und der Kunstpreis der Stadt Innsbruck. Ausstellungen in Österreich und Deutschland, zahlreiche Werke im Besitz von Museen, unter anderem der Albertina und des Tiroler Landesmuseums, Rudolf Hellers ausgestellte Arbeiten beschäftigen sich mit Raum und Zeit und den vielfältigen Möglichkeiten ihrer Wahrnehmung. Seine Arbeiten thematisieren die Unmöglichkeit der Parallelität in der Zeitlichkeit verwurzelter Ereignisse. Zeit und Raum bedingen einander. Ohne Raum keine Zeit, die sich ausdehnt und ohne Zeit kein Raum, der sich ausbreitet. In seinen parallel gemalten Doppelbildern versucht er, diese ereignishafte Unmöglichkeit sichtbar zu machen. Jeder Moment birgt den nächsten in sich und ist gleichzeitig Zeugnis des vorhergegangenen. Seine Doppelbilder sind Spuren dieser zeitlichen Bedingtheit, Artefakte des Augenblicks. Bilder, die eine gleiche künstlerische Intention, einen gleichen Gedanken formulieren - Bildpaare, die in Bezug auf Farbgebung, Form und Größe vollkommen identisch sind. Doch sind sie nicht gleichzeitig entstanden. Gibt es einen Unterschied für den Betrachter?
Ist es ohne Information durch den Künstler möglich zu erkennen, welches der beiden Bilder als Erstes entstand? Doch ist diese Frage überhaupt von Relevanz?
Geboren 1970 in Bad Aussee, lebt in Villach, Ausstellungen in Österreich und Luxemburg. Kuttner Jand1 untersucht den Fluss der Zeit durch die Beobachtung der augenscheinlichsten Offenbarung ebendieser: des Wandels. Jeder Augenblick ist permanent im Wandel, jede Form ist der Verwandlung unterworfen. Der Mensch wird alt und grau, Situationen verändern sich und entblößen somit die Unmöglichkeit des Status Quo. Kuttner Jandl versucht, exakt den Augenblick der Metamorphose festzuhalten, indem sie diesen in Pop-Art-Manier durchreflektiert. In ihrem Zyklus „I am the Walrus" reiht sie thematisch vielfältige Bildinhalte, Metaphern, Spuren zusammenhanglos aneinander. Dazu inspiriert wurde sie durch die Entstehungsgeschichte des gleichnamigen Beatlessong. Lennon hatte die Idee von Lewis Carrols Gedicht „the walrus and the carpenter" übernommen und zusammenhanglose Textfetzen aneinandergereiht.
Geboren 1939 in Bad Ischl, aufgewachsen in Bad Goisccn, von 1981-2004 kath. Pfarrer in Hallstatt und Obertraun. Seit 1995 Malseminare bei Prof. Karlheinz Schönswetter und Prof. Wolfgang Wiesinger. Ausstellungen unter anderem in der Kath. Hochschulgemeinde Salzburg und im Kulturhaus Hallstatt. Stögner nähert sich in seinen ausgestellten Werken der Thematik der Zeitlichkeit über den mythologischen Weg an. Die Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments erzählt vom Anbeginn der Welt - Stögner widmet ihr einen siebenteiligen Bilderzyklus und begibt sich so auf die Suche nach den Spuren der Zeit. Das Werden unseres Daseins, unserer Welt, des Kosmos, geschah nicht von heute auf morgen - es geschah in unfassbaren Zeiträumen, die unsere Vorstellung, unser Denken und Forschen übersteigen und uns letztlich nur ehrfurchtsvoll staunen lassen. Ein Bild ist für Stögner der Spiegel der Seele. Die sieben Schöpfungsbilder sollen das innere Empfinden im Bezug auf die Natur, auf den umfassenden Kosmos und einen Schöpfer ausdrücken. Sie sind Bilder der Zeit.
Geboren 1987 in Rottenmann. 2006 Abschluss der Holzfachschule in Hallstatt (Ausbildungszweig Bildhauerei), 2007-2012 Studium an der Kunstuniversität Linz (Plastische Konzeptionen). Zahlreiche Auftragsarbeiten, darunter das Design der "Winterhalle" auf der Grazer Messe ?011; Teilnahme an diversen Symposien, darunter das "Landart Symposium" in Angern/March 2011; Teilnahme an der Gruppenausstellung "Wein und Kunst" in Schloss Tcautenfels 2008. Ihr CEuvre umfasst vor allem Holzskulpturen, jedoch entstanden in ihrem bisherigen Schaffensprozess auch Installationen, fotografische Arbeiten und Landart-Projekte, die in Kurzfilmen dokumentiert sind. Gegenwärtig setzt sie sich mit der Frage der zeitgenössischen Holzskulptur auseinander. Ihr Zugang zu dieser zeigt sich in Massivholzplatten, welche sie nüchtern-linear; fast grafisch mit der Motorsäge bearbeitet und dabei bewusst Arbeitsspuren betont. Diese bilden die introvertierte Skulptur, deren Charakter und Form sich im Inneren des Holzes befindet - der Innenraum durchleuchtet die ästhetische Ansicht des Rezipienten und die untersuchende Frage des Raumes,
28.04.- 26.05.2012:9.00,11.00,13.00,15.00 Uhr
27.05.- 09.09.2012: 9.00 bis 16.00 Uhr - stündlich
10.09. - 28.10.2012: 9.00, 11.00, 13.00, 15.00 Uhr
Der Eintritt zu dieser Ausstellung ist frei!!
Weitere Informationen zur Ausstellung Kunst am Steinberg 2012: Spuren erhalten Sie auf der Homepage der Salzwelten unter www.salzwelten.at
Kuration und Gesamtleitung der Ausstellung: Franz Hütter (0664-88615954) - f.huetter@gmx.net.