Vorchdorf: Bier macht den Durst erst schön
Junge Wirtschaft Gmunden besichtigte auf Schloss Eggenberg die "Brauerei zum Salzkammergut"
Vergangenen Donnerstag öffnete der zukünftige Besitzer Hubert Stöhr für die Junge Wirtschaft Gmunden die Pforten der Brauerei Schloss Eggenberg. Frei nach dem Motto "Der Weg zum Bier mit allen Sinnen" konnten etwa 50 Besucher bei einem Rundgang durch die Brauerei erfahren, wie das "Bier zum Salzkammergut" gebraut wird und es natürlich auch selbst kosten.
Der Weg zum Bier
Los ging es im Innenhof des Schlosses, das im Jahre 971 erstmals urkundlich erwähnt wurde und auf eine lange Bierbrautradition zurückblicken kann. Vor über 700 Jahren, im Jahr 1299 um genau zu sein, soll schon Bier an das Stift Kremsmünster geliefert worden sein. Ursprünglich wurde nur für den Eigenbedarf gebraut, erst 1681 kam die gewerbliche Biererzeugung dazu. Vor rund 200 Jahren erwarb dann Johann Georg Forstinger, der Ur-Ur-Ur-Großvater des heutigen Eigentümers Karl Stöhr, das Schloss und seitdem ist die Brauerei im Besitz der Familie Forstinger-Stöhr.
"Bis in die 70-er Jahre war Eggenberg ein Wasserschloss", erklärt Leopold Hochmuth, der die Gruppe durch die Brauerei führt. Sogar eine Zugbrücke war vorhanden. "Die Gräben und Teiche wurden für die Eiserzeugung im Winter verwendet. Und das Eis benötigten sowohl die Brauerei als auch die Kunden. Denn früher gab es keine Kühlschränke sondern nur Eisschränke". Die großen Keller, in denen das Eis früher über den Sommer gebracht wurde, werden heute jedoch nicht mehr von der Brauerei genutzt. Einerseits wegen des Denkmalschutzes, andererseits sind die bis zu zwei Meter dicken Mauern für eine moderne Produktion zu unpraktisch. "Man kann nicht einfach so ein Loch bohren, da zwischen den beiden Aussenmauern nur loses Schüttgut liegt", erklärt Hochmuth.
Vollautomatische Produktion
Weiter geht es ins neue vollautomatische Sudhaus, das erst vor acht Jahren gebaut wurde. "Wer als erster Bier gebraut hat, ist nicht ganz geklärt. Sicher ist, dass die alten Ägypter und die Indianer schon ein bierähnliches Getränk getrunkeb haben", erzählt Hochmuth weiter. Es dauerte ein paar Jahrtausende, bis die Produktionsmethoden zum heute bekannten Bier verfeinert wurden.
Heutzutage wird in Vorchdorf vollautomatisch aus Gerstenmalz und Wasser die Maische erzeugt. Bei diesem Schritt wird die Getreidestärke in Zucker umgewandelt und damit schon der spätere Geschmack des Bieres bestimmt. Die so erhaltene "Würze" wird dann vom Malz getrennt - der Fachmann spricht hier von "läutern" - in den Sudpfannen mit Hopfenextrakt gekocht und anschließend auf 6°C abgekühlt.
Leopold Hochmuth, der fast 40 Jahre lang in Eggenberg selbst Bier gebraut hat, führt die Gruppe weiter in den Gärkeller, wo die großen Gärtanks stehen. Hier wird der Würze die Gärhefe zugegeben, die dann innerhalb einer Woche den Zucker der Würze zu Alkohol vergärt. Danach muss das Bier in den Lagertanks ca. 4 - 6 Wochen lagern, wobei durch Nachgären unter Druck die im Bier gebundene Kohlensäure entsteht. Das gereifte Bier wird je nach Sorte nochmals gefiltert und schließlich in Flaschen oder Fässer abgefüllt.
In Eggenberg enstehen so jährlich ca. 160.000 Hektoliter Bier - das sind 32 Millionen Bierflaschen. Diese werden in der Abfüllanlage, der vorletzten Station der Führung, abgefüllt. Die Abfüllanlage hat eine Leistung von 24.000 Flaschen pro Stunde - oder ca. 10.000 Kästen pro Tag. Das meiste Bier findet dabei im Umkreis von 80km seine Liebhaber und ein beachtlicher Anteil wird in alle Welt exportiert. Und natürlich ist Bier von Schloss Eggenberg bei den meisten Supermärkten in ganz Österreich erhältlich.
Spezialitäten aus dem Salzkammergut
Um auf dem Markt bestehen zu können, hat sich Familie Stöhr auf besondere Biere spezialisiert. Vom "Bier zur Landesausstellung" - dem "Sommerfrisch" bis zum Urbock, das mit 23° Stammwürze und sagenhaften 9,6vol% Alkohol ganze neun Monate reifen kann. Und als erste österreichische Brauerei wurde in Eggenberg sogar alkoholfreies Bier hergestellt. So gibt es für fast jeden Bierliebhaber ein Bier aus dem Sortiment der Familie Forstinger-Stöhr. "Ausser Weißbier", betont Hubert Stöhr, "denn bei uns wird ausschließlich untergärige Hefe verwendet."
Die letzte Station
Zu guter Letzt konnten die Besucher im neuen Bierverkostungszentrum die verschiedenen Biersorten probieren, in geselliger Athmosphäre ihr Netzwerk pflegen und über das Bierbrauen philosophieren. Dabei entdeckte der ein oder andere auch ein neues Lieblingsbier.
Und wer wollte konnte auch einen verspäteten Blick in die Landesausstellung
"FernbergerZEITreisen" werfen. Dort wurde über die abenteuerlichen Weltreisen der ehemaligen Schlossbesitzer Georg und Christoph Fernberger berichtet, die vor 400 Jahren als erste Österreicher den Erdball umrundet haben.
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